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Full text of "Das Christentum und die Geschichte: Ein Vortrag"

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D. 2lboIf ^arna<f 

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D. 2lboIf ^amad 



fünfte 2tuflage 




3. C ^tnrtdjs'fi^e Suc^I^anMung 



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■Z.07? 



(£$ tft in feinem anöeren ^eil, ift andi fein anöerer 
Zlame 6en ZlXenfc^en gegeben, 6artnnen tDtr foUen felig 
tDer6en, als in 6em Hamen 3efu (E^rifti — bas ift bas 
Sefenntnis 6er c^riftltc^en Kirche» ZUit öiefem Seferpitnis fjat 
fie begonnen; auf 6tefes Sefenntnis fin6 i^re Znärtyrer geftorben, 
un6 aus i^m fc^öpft fte noc^ ^eute wie vov ac^tseljn^unöert 
3a^ren i^re Kraft* Vtn gansen ^nlfalt 6er Äeltgion, 6as itben 
in ©Ott, 6te Dergebung 6er 5ün6e, 6en Croft im £et6e, btn6et 
fie an 6tefe Perfon» Sie fnupft 6amit 6a5, was 6em £eben 
^nliaÜ un6 Dauer oerlel^t, ja 6as (Ewige felbft, an ein ©e« 
fc^ic^tlic^es un6 bet^auptet 6ie untrennbare (Einheit von bei6em. 
2Iber ift eine folc^e Perfnüpfung faltbar? fann fie 6ie 
Prüfung 6es nac^6enfen6en Perftan6es befielen? 2tIIes ©e« 
fc^ic^tlic^e fc^eint ein unaufhörliches tDer6en un6 Derge^en» 
3ft es 6a möglich, eine (Erfc^einung ^eraussugreifen un6 an fie 
6as ganje ©etDic^t 6er (EtDigfeit 5U ^eften? un6 5tDar eine (Er* 
fc^einung 6er Vergangenheit I Stän6e 6ie Perfon noc^ eben 
mitten unter uns, fo wäve es pielleic^t an6ers* ilber wit fin6 
6urc^ piele 3a^r^un6erte un6 eine peru>icfelte Überlieferung pon 
i^r getrennt Dennoch follen tpir uns an fte galten, follen fte 
faffen, wie wenn fie eine ewige ©egenwart ijättef un6 follen fie 
als 6en ^els unferes Cebens erfennenl 3P ^^^ möglich, ift 6as 
wo^Igetan? Diefe ^rage ^at 6ie 6enfen6en (E^riften aller 
Seiten befc^dftigt, un6 fte umfdjiieft 6ie wic^tigften fragen nac^ 



— ^ - 

6em XDefen rnib Hec^t 6er c^riftlic^en Heltgton: bas C^rtften* 
tum un6 6ie (ßefc^ic^te* Hur bas tonn meine Slufgabe fein 
in 6iefer fWc^tigen Stun6e, 6en Sinn un6 6en (Emft 6er ^age 
an bas £ic^t ju fteüen un6 einige (ßefic^tspunfte 5U i^rer Be* 
urteilung 5U bieten« 

ZTlit einer beru^igen6en tEotfac^e tann ic^ beginnen« Der 
grofe Eingriff, 6en bas ^8. 2<^litfjnnb^vt auf 6en ^^fammen« 
^ang von Heligion un6 (ßefc^ic^te gerichtet Ifat, ift abgefc^Iagen 
u>or6en. Diefer Eingriff fjat feinen prägnanten 2Ius6rucf ge« 
fun6en in 6em Ceffing'fc^en Sa^e: „Swfällige (ßefc^ic^ts* 
iDa^r^eiten {5nnen 6er Bemeis pon notti>en6igen Der* 
nunftsma^r^eiten nie tDer6en''* Diefer Sa% iaxm richtig 
fein — es f ommt aOes 6arauf on^ loie man i^n öeutei 2tber 
tote i^n 6as von Xouffeau be^mntte ^itolter Ceffings t>er* 
fton6en ^ot^ ift er falfc^« XKe ganje ober^dc^Uc^e P^ilofop^e 
6es ](8* 3a^r^un6erts liegt t^ 5a (Btunbe. Viadf üft r^ alles 
gefc^c^titc^ geiDor6ene ein Unmefentlic^^ ^nfäOiges^ ja fogar 
ein 5t5ten6es* ZDertDoQ ift allein^ u>as jenes Zeitalter 6as 
,,HatärHc^'' un6 6ie „Vetnun^*^ nanntt. Sie galten als ein 
för allemal gegebene^ um>erän6erli^ (Brofen« 2(us i^nen 
aOehi foUten 6a^er aud; alle xocifttn (ßäter abgeleitet Q»er6en. 
Utan glaubte^ 6af }e6er Utenfc^ von 6er (£rfd;affung ^r in 
feiner ^Demunft'' ein feftes Kapital befäfe^ aus 6em er olles 
bejireiten {5nne^ loas er 5tt einem tugen6^aften un6 glucffeligen 
£eb^n nötig Ifobt, ZlXan glaubte femer, 6aj| 6er Zltenfc^ 6er 
„Hatiir^ ^armontfd; eingefugt fei uyi6 fic^ 6es^alb nur ^natur« 
gemäf ^ 5U entfalten brau^, um ein ^errlic^es (Exemplar feiner 
(ßattnng 3U n)er6en. Diefe IDeltanfc^aumtg iiatU 6te (ßefc^ic^te 
nic^t me^r ndttg; 6enn 6er Ztlenfc^ fonn aus i^r über^pt 
mdfts empfangen, u>as er nic^t fc^on befi^ ^olgerec^t erfc^en 
6ie (Befc^ic^e 6enn axiäi 6en fonfequenten Vertretern 6iefer Tln* 
fc^uung als ein feltfames un6 verfe^rtes Spiel, un6 es galt 
6ie Cofung, fid; ans 6er fnec^ten6en (ßefd^ic^e ^eraussujie^en 
utt6 5ur ^rei^eit 6er Hatur surficfsufe^ren. ^wat Cefftng felbft 



— 5 — 

fuc^te mit ifetfem Bemä^en^ 6er (ßefc^ic^te bod^ ti^r Hec^t 5U 
ge&en; ab^x feine unfic^eren Bemäifungen fanben in feinem 
^italter fein Derftanbnis* Diefes fdttigte fic^ pielme^r an 6en 
angeblich en)igen Pemunftoa^r^eiten un6 an 6er iDie6er« 
ent6edten ^natürlichen Äeltgion" un6 fa^ im Seft^e 6iefer (ßäter 
ftolj auf 6ie „sufdllige (ßefdjidjte'' ^eraK (Es serfc^nitt 6a5 
3an6 jtoifc^en Heligion un6 ißefc^ic^te* 2tIIe gefc^ic^tlic^ 
Religionen, fo le^rt 6as \S. 3alfr^un6ert, ftn6 im beften ^alle 
nur Der^fillungen 6er allein wahren natürlichen Heligion — 
6er Äeligion, 6ie immer u>ar un6 immer fein witb. Diefe 
Keligion aber ijat feinen an6eren 3n^alt als 6ie unper5n6er« 
lidje Demunft. 2Iuc^ 6as (E^riftentum un6 fein Stifter fönnen 
bamben nichts Sefon6eres für fic^ in 2tnfpruc^ nehmen; 6enn 
aQes Sefon6ere ift sufaUig, überflüffig un6 fc^ä6Iic^. 

Ilun — 6iefe tDeltanfc^auung ift ^eute 5U?ar nic^t aus* 
geftorben, aber fie ift n>i6erlegt TXn feinem an6eren Punfte Ifot 
fic^ 6er (ßeift 6es ^9* 3a^r^un6erts fo mädjtig un6er 6en 
(ßeift 6es ^8♦ 3a^r^un6erts geftellt. Das per6anfen wxx ^ er 6 er 
un6 6en Äomantifem; wxx per6anfen es ^egel un6 feinem 
grofen Schüler Hanfe; voxx oer6anfen es nic^t 5um min6eften 
6er frdftigen Äeaftion 6es c^riftlic^en (ßlaubens. Das VOatjU' 
gebiI6e einer pon 2tnfang an fertigeti Pemunft wixxbt geftürjt; 
6er 2lbgott „^eilige Hatur" n)ur6e entlarpt; 6as ungeheure Problem, 
weldjes in 6em leicht Eingenommenen Segriff 6er ^^natürlic^en 
Äeligion" liegt u?ur6e entfdjieiert 2tn 6ie Steüe 6es feierten 
©efc^wä^es über 6ie ^eilige Hatur un6 6ie profane ©efc^id^te, 
über 6ie ,,eu>igen Pemunftwa^r^eiten'' un6 6ie sufdüigen ^iftorien 
trat 6ie (£rfenntnis 6er (ßefdjic^te, 6er (ßefc^ic^te, aus 6er voxx 
empfangen ^aben, was wxt beft^en, un6 6er wxx per6anfen, u?as 
n>ir fin6* ^wex Begriffe pome^mlic^ txaten 6abei mit fteigen* 
6er Klarheit in 6en X>or6ergrun6; 6ie (Entu?icflung un6 6ie 
Perfön lic^ feit Sie beftimmen in 6er Spannung, 6ie fte in 
fic^ tragen, 6ie 2Irbeit 6es ^iftorifers, 6er 6er (ßefc^ic^te nac^* 
6enft. 



— 6 — 

TXlit 6er richtigen (Erfemttnis von 6er Se6eutun9 6er (ße« 
fc^tc^te tDur6e i^r auc^ 6te Heltgton 5urucf gegeben: fte tft fein 
fertiges (ßebiI6e, fon6em fie ift ge«)or6en, gett)or6en innerhalb 
6er (ßefc^ic^te 6er ZUenfc^^eit Die neuen Stufen in i^r fin6 
nic^t nur Schein, fon6em tDirflidjfeit; i^re Propheten un6 Stifter 
fin6 wa^r^aft Propheten un6 Stifter gewefen: fie ^aben 6ie 
ZlTenfc^^eit auf eine ^ö^ere Stufe gehoben. Die (E^rfurc^t oor 
6em <ßeift in 6er ißefc^ic^te un6 6er Danf gegen alle 6ie^ von 
6enen mir etmas empfangen liabtn, o^ne 6ie mit ärmer in 
unferem inneren un6 äuferen £eb^n wären, muf 6a^er 6ie 3e* 
trac^tung 6er (ßefc^ic^te regieren* 

Damit ift eine an6ere Stimmung erseugt, wie im 5^ttalter 
6er fogenannten 2lufflärung, un6 6er 2tngriff 6es ^8•3a^r^un6ert5 
auf 6en ^n^anumnlianQ oon Äeligion un6 (ßefdjic^te ift VDvd^ 
Ixdi jurüdgefc^Iagen. 2tIIein eine ganje Sc^Iac^tlinie von 2(n« 
griffen Jjat fic^ nun in unferer 5^it entmidelt» Da begegnen 
mit 5uerft 6em Sa^e: (Eben meil 6ie c^riftlic^e Äeligion in 6ie 
(ßefc^ic^te gehört un6 alles in 6er ^efc^ic^te (Entmicflung ift, 
ift auc^ fte Ie6iglic^ ein (ßlie6 in 6iefer (£ntu>idlung, un6 i^rem 
Stifter 6arf 6a^er eine befon6ere, einsigartige Stellung nic^t 5U» 
gefproc^en wttbzn. (ßelingt es, 6iefen 2tngriff 5U U)i6erlegen, 
fo ergebt ftc^ ein neuer (ßegner un6 ruft: ZHag auc^ 6er Stifter 
6er c^riftlic^en Heligion ein unoergleic^Iic^er ZUann gemefen 
fein — er ^at vox pielen 3<J^^^un6erten gelebt, un6 es ift 6a^er 
unmöglich, mit unferen Sorgen un6 Höten ju i^m 5U fommen 
un6 i^n als 6en ^els unferes £ebens ju ergreifen; nic^t 6ie 
Perf on fann me^r in Setrac^t fommen, fon6em nur 6ie Ce^re, 
6as „Prinsip''. XD'ttb en6Iid} auc^ 6iefer ^ein6 surficfgefc^Iagen, 
fo folgt noc^ ein Eingriff» ZlXan ruft uns 5u: 3^r mögt pon 
3efus (E^riftus fagen, voas i^r u)oBt, un6 er mag 6as alles 
geujefen fein, was iljr fagt; aber i^r ^abt 6afur feine Sic^er^eit; 
6enn 6ie gefc^ic^tlic^e Kritif ^at fein SU6 5um Ceil aufgelöft, 
5um tEeil unftc^er gemad^t, un6 u>are es auc^ noc^ suverläfftger 
als es ift — einjelne gefc^idjtlidje Catfac^en fSnnen niemals 



— 7 — 

fo fielet getDuft tperöen, 6af fte 6en religiofen (ßlauben 5U be« 
gränöen Dermögeru 

Das ftn6 6te 6rei Xltauent; 6te voibtx btn (ßlauben 6er 
Kirche aus btt (ßefc^tc^te aufgerichtet n?or6en ftn5. Um 6tefe 
fragen 6re^t ftc^ aller Streit; aller ^eimltc^e un5 offene Su>eifel 
fjat pome^mlic^ ^ier feinen (ßrunö, un5 in irgenö einer ^orm 
Ifat andi ein je6er unter uns öiefe ^u>eifel fd^on gehegt un6 
erwogen* 

I. 

tDas nun sundc^ft 6en erften 2lngriff betrifft, fo ift er 6er 
u>eitge^en6fte, aber auc^ 6er fc^mdc^fte. (ßemif , es ift 6ie Starte 
unferer* heutigen (ßef c^ic^tsbetrac^tung, 6af u>ir überall 6arauf 
be6ac^t fin6^ 6ie (£ntn?i<flung nac^3un)eifen un6 5U seigen, u>ie 
eines aus 6em an6eren gen>or6en ifL Va^ 6ies 6ie 2(ufgabe 
6es ^iftorifers ift, ift eine (Einfielt, 6ie niemals me^r untergeben 
tanxL Va% ein u>a^r^aftes Perftän6nis 6er ißefc^ic^te nur auf 
6iefem XDege geu?onnen «)er6en fann, unterliegt feinem 3ö^^if<^I/ 
un6 auc^ 6ie, 6ie über 6ie mo6eme (ßefdjic^tsnjiffenfc^aft fc^elten, 
vermögen fic^ 6em £in6ruct i^rer ZtTet^o6e nic^t ju entsie^en* 
Sie beforgen 6ie 2trbeit nur unDoIIfommen un6 fc^Iec^t, 6ie 6ie 
ißefc^oltenen beffer beforgen, 2tIIein nur in 6er X>erblen6ung 
tann man behaupten, 6a$, u>eil alle <ßefc^i(^te (Entmicflungs* 
gefc^ic^te ift, fte als Prosef naturt^aften (ßefc^e^ens 6argefteIIt 
«)er6en muffe un6 fönne* Die Derfuc^e, 6ie in 6iefer Sichtung 
gemacht wotbtn fin6 un6 noc^ gemacht u>er6en, tragen bisher 
i^re XDi6erIegung in fic^ felber, ^öc^ftens in 6er tDirtfc^afts- 
gefc^id^te laft fic^ eine gen^iffe Stringens 6er (Erfc^einungen nac^« 
u>eifen, tpo 6er Kampf um 6as materielle Dafein regiert; aber 
auc^ 6ort ift er immer n)ie6er 6urc^brod;en 6urc^ i6eelle Ztlomente, 
6ie in frdftiger IDeife eingreifen, 3n 6er ©efc^idjte 6er 36een 
un6 ftttlic^en Zlta^men aber tommt man mit 6em plumpen 
Schema 6er Derurfad^ung 6urd; 6ie Umftan6e ooIIen6s nic^t aus« 
3tt>ar Ifat andj ^ier 6iefes Schema noc^ einen u>eiten Spiel» 



— 8 — 

räum — einen utel metteren, als frühere ißefc^Iec^ter gealjnt 
tiab^n: aus 6er smingenöen un6 treibenöen Xioi ift fo manci^er 
^ortfd^ritt geboren; «nr permögen noc^ Ijeute feine Urfac^en 5U 
ermitteln un6 fein H>er6en $u belaufeten. 2mein o^ne 6ie Kraft 
un6 6ie Cat eines einselnen, einer Perfönlic^feit^ permag fxdf 
nichts ®rof es un6 ^dr6em6es öurei^ufe^en* tOo^er aber ftammt 
6ie Kraft &es Kraftigen un6 6ie tEat 6es ^an6e(n5en? tPo^er 
fommt es, 6a0 eine för6em6e (Einfielt, ein rettenöer (ße6anfe 
unfrudjtbar un6 toertlos »ie ein toter Stein pon einer (ßeneration 
6er anöeren pererbt u>ir5, bis einer i^n ergreift un6 aus i^m 
Junten fc^Iagt? IDo^er fommt jene 5^i*3wng ^ö^erer 0r6nung, 
ipo ein (ße6ante un6 eine Seele fic^ permS^Ien, um ineinanöer 
ciu^uge^eU; um etpig einan6er 5U gehören un5 6en tPillen 5U 
bemeiftem? IPo^er fommt 6er Zltut; 6en lDi6erftan6 6er ftumpfen 
XDelt 5u befiegen? IDo^er fommt 6ie 5eugen6e Kraft, 6ie Über* 
Seugung mirft? (Eine ftumpfe Pfyc^ologie fie^t nic^t, 6af 6ies 
6ie eigentlichen ^ebel 6er (ßefc^ic^te ftn6; fie fragt nur: Ifat 6er 
Ztlann etmas Heues gefagt? läf t ftc^ 6iefes Zleue nic^t aus 6em, 
tpas poranging, ableiten? un6 fie gibt fic^ 5ufrie6en, wenn fie 
richtig ermittelt iiat, 6af es nur „relattp'' neu »ar un6 6af 
eigentlich gar nichts befon6eres gefc^e^en ift Hein — nic^t nur 
im 2(nfang mar 6as tPort, 6as XDort, 6as sugleic^ tEat un6 
itben i% fon6em immerfort in 6er ©efc^ic^te fjat in un6 über 
6er treiben6en Hot 6as Ieben6ige, mutige, tatfräftige IDort, 
namlic^ 6ie Perfon, gewaltet ®e«)if, auc^ ^ier gibt es Der« 
mittelungen un6 (Entwidlungen* Keine ^acfel entjün6et ftc^ Pon 
f eiber; ein Prophet eripedt 6en an6eren; aber 6iefe ge^elmnis« 
poUe (Entwicflung fann pon uns nic^t 6urc^c^aut, fon6em nur 
geahnt voetbtxu 

Was von 6er (ßefc^ic^te im allgemeinen gilt, Pon allen 
i^ren Cinien, auf 6enen ^df überhaupt geiftlges Ceben abfpielt, 
6as gilt im ^öc^ften Sinne Pon 6er Äeligion, 6ie 6as tteffte 
C^ema 6er ©efc^ic^te ift ,,Der HTenfc^ lebt nic^t Pon Brot 
allein, fon6em Pon einem jeglichen XDort, 6as 6ttrd^ 6en Znun6 



(ßottes QtlftV* Klarer un6 einfacher fin6 6ie bei6en grofen 
JTRttelpunfte alles (ßefdje^ens niemals ausgefproc^en tooröen, un6 
unfere ^iftorifer Ijaben an öiefem XDorte noc^ immer 5U lernen, 
um ftc^ nic^t 5U Derlieren* 2tuc^ pon 6er Heligion aber gilt, 
6a0 fte eine (Enttpidlung öurdjgemac^t Ifat un6 in beftdnöiger 
(Entoicflung begriffen ift* 2ludj an i^rer (ßefc^ic^te läft ^df 
nad}tt)eifen, 6af 6ie Hot getrieben liai, jene Hot, 6ie beten le^rt, 
un6 jene Hot, 6ie 6a ftumpf madjt 06er nadj Strohhalmen 
greift, 2lber eben 6iefe ©efc^idjte seigt auc^, 6af fein 2luf« 
ftreben un6 fein ^ortfdjritt jemals Por^an6en geroefen ift, oljne 
6as «>un6erbare (Eingreifen einer Perfon. Hic^t tuas fie fagte, 
toar 6as überrafc^en6 Heue — fie fam, als 6ie 5^it erfüllt 
tpar, un6 fie fpradj 6as aus, tDas 6ie 3eit be6urfte — , aber 
tDie fte es fagte, tuie es in iljr Kraft un6 6ie ZTladjt eines neuen 
£ebens tDur6e, toie fie es fortseugte in i^ren 3üngern, 6as tuar 
i^r (ße^eimnis un6 6as tuar 6as Heue, ZlTit (E^rfurc^t fc^aut 
6ie Zrienfdj^eit 5U allen 6en grof en ©eiftern auf, 6ie iljr ge« 
fdjenft iDor6en fin6, 6en ^orfc^em, 6en Künftlem, 6en ^eI6en; 
aber nur iljre Propheten un6 Heligionsftifter pereljrt fie; 6enn fie 
empfin6et, 6af ^ier eine Kraft geujaltet Ifat, 6ie oon 6er IDelt 
befreit un6 über 6as gemeine (ßefc^e^en erljebt, 

2tber toenn u?ir fo alle Propheten un6 Heligionsftifter in 
eine (Einljeit 5ufammenfaffen, fo fc^eint 6ie befon6ere Se6eutung 
6es Stifters unferer Heligion 6oc^ u?ie6er 5U fc^u?in6en. ®eu?if 
nic^t Denn es gibt feinen fonfreten (Gattungsbegriff, bn 6ie 
X>erfd}ie6enl?eiten 6erer, 6ie mit mit Hec^t Propljeten un6 Äeli* 
gionsftifter nennen, umfpannen fönnte* (Ein je6er pon i^nen ift 
eine (ßröfe für ftc^ un6 muf für fic^ beurteilt u?er6en. (£s iiat 
t^eilige un6 un^eilige Heligionsftifter gegeben un6 erhabene un6 
u?un6erlic^e Propheten* (Eine unerfc^öpflic^e ^üUe oon (Sabtn 
un6 Kräften ift über fie ausgegoffen; ZHaf, Haltung, S^^d — 
alles ift bei üjnen oerfc^ie6en; alles u?ür6e perroifc^t «>er6en, 
tDenn 6as nic^t bzadittt voxvb. 2luc^ »äre es ein törichtes Unter» 
fangen, pon pom^erein porfc^reiben ju wollen, in »elc^em ZHaf e 



— \0 — 

6er (ßetft^ nämltc^ 6er (ßeift (ßottes^ in 6en etn5elnen gehaltet 
^ot Das tft allein von 6er Crfc^einung felbft 3U lernen. Hur 
oon (Einem aber u>iffen u>ir, 6af er 6ie tieffte Demut un6 6ie 
Hein^eit 6es ZPiüens i)erbun6en Ijat mit 6em 2tnfpruc^, me^r 
5U fein als alle Propheten, 6ie oor i^m geu>efen fin6: 6er So^n 
©ottes. Hur oon i^m wiffen u>ir, 6af 6ie, 6ie mit i^m gegeffen 
un6 getrunfen ^aben, i^n nic^t nur als i^ren Celjrer, Propljeten 
un6 Kdnig gepriefen liaben, fon6em als 6en dürften 6es Cebens^ 
als 6en £rI5fer un6 ZPeltric^ter; als 6ie Ieben6ige Kraft i^res 
Dafeins — nic^t ic^ lebe, fon6em (E^riftus lebet in mir — , un6 
6af baI6 mit iljnen ein (E^or oon ^nbtn un6 ^ei6en; oon 
XDeifen un6 tCoren bef annt iiat, aus 6er ^üüe 6iefes einen 
Hlannes (ßna6e um (ßna6e 3U nel^men. Diefe Catfac^, 6ie am 
gellen Cage liegt, ift einsigartig in 6er (ßefdjic^te, un6 fie oerlangt, 
6af 6as ^aftum 6er Perfon, 6ie Ijlnter iljr liegt, als ein einsig« 
artiges refpeftiert mivb. 

U. 

Damit ^aben mix auf 6en erften £tnn>urf geantwortet, 6af 
6er perfon 3^f^ C^rifti u>egen 6er oorausgefe^ten ^orm aller 
(ßefc^ic^te als £ntmictlung feine befon6ere, einsigartige Stellung 
5ugeu>iefen u)er6en 6ürfe, JUIein es ergebt fic^ nun ein fdjwerer 
Eingriff, UTag auc^, fagt man, 6er Stifter 6er c^riftlidjen Heli- 
gion ein unoergleidjlic^er UTann geu>efen fein — er i^at oor 
oielen ^alittinnb^tt^n gelebt, un6 es ift 6a^er unmöglich, iljn in 
unfer religiöfes £eben aufsune^men un6 als 6en ^els 6esfelben 
5U ergreifen; nic^t 6ie Perfon fönne meljr in Betracht fommen, 
fon6em nur 6ie £e^re, 06er wie man auc^ fagt, 6as prinsip, 
^a 6er (Einwurf wir6 noc^ fc^arfer alfo formuliert: in 6er Heli- 
glon fommt es Ie6iglic^ auf 6as Perijditnis 5U (ßott an — 
©Ott un6 6ie Seele; 6ie Seele un6 ©ott — ; alles was fic^ in 
6ies XPec^feloer^ältnis elnfc^ieben will, ifebt feine 2lusfc^Iief lic^« 
feit auf un6 ftört feine 3"^isf^^t ^^^ ^reiljeit 



— u - 

3d} fönnte perfuc^en, öiefem (Etnipurfe mit öem ^tnu>etfe 
auf 6ie ftrc^Iic^e £e^rc von 6er (grlöfung unö Perfö^nung 6urc^ 
3efus (E^rtftus 5U begegnen; allein ic^ mü§te fürchten, öamit 
ein geringes Derftänönis 5U ersielen; öenn wie öie Kirche jene 
£e^re formuliert fjat, gel;5rt fte ^eute 5U 6en am tpenigften per« 
^ianbemn unö öa^er am meiften besmeifelten Stücfen^ Das ift 
eine Catfac^e, mag man auc^ über i^r Hec^t n>ie immer urteilen* 
3c^ u)ill öa^er einen anöeren XDeg 5U geljen perfuc^en. ^n^ 
nadlet — es ift pollfommen richtig: öie Heligion ift ein Per- 
^ältnis 6er Seele 5U (ßott unö nichts anöeres» Z)af 6er UTenfc^ 
©Ott fin6e, iljn Ijabe als feinen (ßott, in feiner ^urdjt atme, 
iljm pertraue, in 6iefer Kraft ein Ijeiliges un6 feiiges t^bm fü^re, 
6as ift 3n^alt unö ^i^I ^^^ Heligion. Darüber ^inaus gibt es 
nichts anöeres unö öaneben öarf nichts ^remöes befteljen: ,,Be* 
fie^I Du Deine IDege unö mas öas ^erje fränft, öer allertreuften 
Pflege öef, öer öen ^immel lenft", 3e frdfttger unö reiner öie 
^römmtgfeit ift, öefto fieserer fdjlie^t fie fic^ in öiefem IDort 
5ufammen* Das beseugen öie 3ö^9^^ £I?rifti aller 3^iten; öas 
beseugt öer ^err felbft, inöem er uns öas Paterunfer beten ge« 
le^rt ifatf unö öarum öürfen u>ir aud) öie C^eologen nic^t 
fc^elten, öie öen 3^1?<il^ ^^^ Äeltgion alfo sufammenfaffen, 2lllein 
es gilt pon öer Äeligion im Ijödjften Sinne, u>as pon allen jttt- 
lidjen &ixUtn gilt, öaf ein anöeres ift, i^re XPaljr^eit 5U erfennen, 
ein anöeres i^re Kraft 5U b^fi^en* IDir fönnen öas Äedjt öer 
c^riftlidjen Seligion, öen ^rieöen unö öie Sd/önljeit eines frommen 
£ebens erfennen unö anerfennen, unö fdnnen öod) gans unfäljig 
fein, uns 5U i^m 5U erljeben. €s fann por unfern 2lugen fcl)u?eben 
tt>ie ein glänsenöer Stern, aber es brennt nic^t als ein ^euer in 
unferer Bruft IDir fönnen öie Sdjranfen, öenen u>ir entfliegen 
n)oIlen, auf öas lebljaftefte empfinöen unö öod; p5IIig aufer« 
ftanöe fein, uns Pon i^nen 5U befreien* XPir fönnen nidjt nur 
fo fein — fo finö u>ir, IDer öiefe (Erfaljrung gemacht ifat unö 
immer u>ieöer mac^t, aber aus üjr gerettet u>irö, öer u>eif es, 
öaf er gerettet u>uröe, u>eil (ßott 5U i^m gefprodjen ifaU IDer 



— \2 — 

ötefe Stimme ©ottes ntc^t felbft oemimmt, 6er tft o^ne Heligioru 
„Äeöe, ^err. Dein Knedjt tiötef* ift öie ^orm, in 6er es allein 
religidfes Ceben gibt 

So perfd}ie6en 6ie ^üljrungen eines menfc^lidjen £ebens ftn6, 
fo Derfd)ie6en re6et aixd) ©ott Das aber triffen wir, 6af 6ie 
unter uns feiten fin6, 6ie oljne menfdjlic^ ^ilfe un6 Permitte« 
lung in 6em gefdjloffenen Kreife i^res inneren perfönlic^en tebens 
©ottes Stimme Ijören un6 perfteljen. Pielmeljr, ein (E^rift er= 
5ieljt 6en an6em, an einem ©emflt ent5Ün6et jtc^ 6as an6ere, 
un6 6ie Kraft, 6as 5U u>oIIen, ipas man billigt, entfpringt au^ 
6er geljeimnispoüen ZTtac^t, 6urc^ 6ie ein £eben 6as an6ere 
enpecft 2tm €n6e 6tefer Äeilje pon Boten un6 Kräften ©ottes 
fte^t 3efus Cljriftus* 2tuf iljn u>eifen fie surücf; pon i^m ift 
6as ttben ausgeftrömt, 6as fie je^t als i^r £eben in fid} tragen. 
t?erfcljie6en ift 6as ZHaf 6er beipuften Besieljung auf i^n — 
u>er fönnte 6as leugnen 1 — , aber fie alle leben ron i^m un6 
6urc^ i^n. 

^ier ftelÜ fid? eine Catfadje 6ar, 6ie 6iefer perfon, in 6er 
©efc^ic^te fortipirfen6, einen unpergleic^Iic^en XDert perleiljt; aber 
6er €inu>urf, um 6en es ftdj ^an6elt, ift bodf nodj nic^t erfc^öpft. 
3efus (E^riftus bleibt eine ©röf e 6er Dergangenljeit, wenn audj 
eine fortu>irfen6e. 2tllein fo meint es 6er djriftlic^e ©laube nic^t, 
u>enn er uns auf i^n oenpeift IDir muffen 6iefen ©lauben tiefer 
5U erfaffen fudjen, um 6as Äec^t feiner ITTeinung, wenn er an6ers 
im Hechte ift, 5U perfte^en. 

Der djriftlid/e ©laube ift nic^t, ipie niand?mal fo gefproc^en 
u>ir6, 6ie fanfte Perfidrung 6es ir6ifc^en Cebens 06er eine gemüt« 
polle ^VLQab^ 5U 6en HTüIjen un6 gärten 6esfelben. Hein — er 
ift €ntfc^ei6ung für ©ott un6 un6er 6ie IDelL (£s ^an6elt ftc^ in 
i^m um ein ewiges tebtn; es ^an6elt fic^ um 6ie 2lnerfennung, 
6af es in un6 über 6er tlatur un6 iljrem ©efc^e^en ein 
Heic^ 6er ^eiligfeit un6 6er Ciebe gibt, eine Sta6t, nid/t mit 
^dn6en gebaut, 6eren Bürger wir fein follen* lln6 im ^ufammen« 
Ijang mit 6iefer Botfc^aft ge^t an uns 6ie ^or6erung 6er Sinnes« 






eil 



- ^3 — 

änbetnriQ nnb 6et Selbftoerleugnung, nnb wxt empftnöen, öaf 
^ter ein (£ntiDe6et — ®6er gtit, bas über unfer inneres leben 
entf^ei6et 3ft in öiefem Kampf 6er Steg möglxdi? nnb ^nöelt 
es fi^ in i^m um eine ^ö^ere IDtrfüc^eit, gegenüber 6er 6ie 
IDelt nichts gilt? o6er täufc^en u>ir uns etwa felbft über unfere 
(ßefül^le un6 2t^nungen? fin6 n^ir pielleic^t 6oc^ gan5 un6 gar 
cingefc^Ioffen in 6en Äing 6er unfreien Hatur, in 6en Hing 
unferes ir6ifc^en Dafeins un6 fc^Iagen uns nur mit unferen 
eigenen Schatten un6 mit (ßefpenftern jämmerlldj ^erum? Das 
fin6 6ie fragen 6er fragen un6 6ie §mexfü 6er ^weiftL Hun, 
feit6em es c^riftlic^en (ßlauben gibt^ n)er6en fie geldft 6urc^ 6en 
^inblicf auf 3efus (E^riftus — gelöft nic^t in 6er ^orm p^ilo- 
fop^ifc^er Demonftration, fon6em mit 6em Blid 6es Vertrauens 
auf fein £ebensbil6. IDenn uns ©ott un6 alles ^eilige in 6en 
Schatten 5u perfinfen 6ro^t, o6er u>enn 6as (Bericht über uns 
{^ereinbrid/t^ n>enn uns 6ie mächtigen (£in6rücte 6es unerbittlichen 
Zlaturlebens überwältigen un6 6ie (ßrense smifc^n (ßut un6 Böfe 
5U jerfiiefen fc^eint, u>enn u>ir felbft ftumpf un6 über6rüffig 
u?er6en, 6aran per5u>eifeln6, 6a^ in 6iefer 6unfeln XPelt (ßott 
erfennbar ift, 6ann permag uns feine Perfon 5U retten* ^ier ift 
ein tcben gelebt, gan5 in 6er ^urdjt (ßottes, feft, felbftlos un6 
rein; ^ier fc^immert un6 leuchtet eine ^oljeit un6 eine £iebe, 6ie 
uns 5U fic^ 5ie^t ^ier wat alles ein forttt>d^ren6er Kampf mit 
6er IDelt; ftücfmeife ging ein ir6ifc^es <ßut nac^ 6em an6ern 
oerloren. ^nkl^t ging 6iefes £eben felbft fc^md^Iic^ unter, un6 
6oc^ — feine Seele fann fic^ 6em (£ln6rucf entsieljen: XDer fo 
ftirbt, 6er ftirbt u>oIjI; 6er ftirbt nic^t, fon6em er lebt 2tn 6iefem 
£eben un6 Sterben ift 6er ZTtenfc^^eit 6ie (ßeu>i^^eit eines eu>igeu 
£ebens un6 einer göttlidjen £iebe, 6ie alle Übel, ja felbft 6ie 
Sün6e überu)in6et, erft aufgegangen» Der Unwert 6er XPelt un6 
aller ir6tfc^en ©üter ift i^r aufgegangen gegenüber einer Qerr« 
lic^feit, 6er 6er C06 nichts aniiabtn fann. Ztc^tseljn 3a^r- 
^un6erte trennen uns pon 6iefer ©efdjic^te, aber u>enn wir uns 
emftlic^ fragen, was gibt uns 6en ZTtut 5U glauben, 6af (ßott 



— ^^ — 

in 6er (ßefc^tc^te maltet, nic^t nur 6urc^ lehren un6 £r{ennt« 
niffe; fonöem mitten in i^r fte^enö; was gibt uns 6en ZITut an 
ein etpiges leben }u glauben^ fo anhoorten mir: nrir tpagen es 
auf (E^riftus ^In. „3efus lebt, mit t^m ouc^ ic^/ Cr tft 6er 
Crftgeborene unter üielen 3rä6em! er üerbürgt uns 6ie ZPirf« 
lic^feit 6er suffinftigen XDelL Deshalb — butd) xifn re6et (ßott ju 
uns* 2tls 6er Weg, 6ie ZPa^r^eit un6 6as leben ift 6iefer 
3efus (E^riftus beseugt: als folc^r offenbart er ftc^ noc^ eben 
unferm innem Sinne, un6 6arin befte^t feine (ßegentpart für uns* 
So gen)if alles nur 6arauf anfommt, 6af 6ie Seele (ßott ftn6et 
un6 fidj mit i^m sufammenfc^Iief t, fo geu>if ift er 6er rechte 
^ellan6, ^ü^rer un6 ^err, 6er fie 5U i^m fü^rt XDas 6ie c^rift« 
lic^e Kirche pon i^m perfün6et, 6af er lebt, ift eine XDa^r^eit, 
6ie noc^ ^eute erprobt rnixb, un6 auc^ 6arin ^at fie rec^t, 6af 
fie uns oor feine tei6en un6 feinen tCo6 füljrt Jtber bavon 
woüen n)ir ^eute nid/t fprec^en un6 überhaupt nic^t fo 6apon 
re6en, toie oft gere6et n>ir6* Daf 6as lei6en 6es Gerechten 6as 
^eil in 6er (ßef c^ic^te ift, 6as empfin6en wir in 6em UTaf e als 
unfer Sinn aufgefc^Ioffen ift für 6en €mft 6es fittlic^en Kampfes 
un6 empfänglich für 6en €in6rucf 6es perfönlic^en ©pfers* 2tber 
„mit sieben einen Schleier über 6ie tei6en C^rifti, eben weil unr 
fie fo ^oc^ rereljren; wir galten es für eine per6ammungs« 
«>ür6ige ^rec^Ijeit, mit 6iefen tiefen (ße^eimniffen, in 6enen 6ie 
göttliche Ciefe 6es tei6ens »erborgen liegt, 5U feilfc^en un6 5U 
rechnen, 06er 5U fpielen unö 5U tän6eln, un6 nic^t e^er 5U ru^en, 
als bis andf bas IDür6igfte gemein un6 abgefc^macft erfc^einf** 
lln6 6ann — wir follen nidjt pergeffen, 6af aller ©laube an 
C^riftus ein blofes „^err, ^err" fagen ift, wenn er nidjt 5ur 
Kraft 6es ©eljorfams im ©uten wir6* (£r felbft ijat mäft 6ie 
feine Srü6er un6 Sc^weftem genannt, 6ie iljn fc^auen 06er feinen 
Hamen in 6er IDelt aufridjten wollten, fon6em 6ie 6en IDillen 
feines Daters im ^immel tun* Xladi 6iefem XDort ^aben wir 
allen <£^riftusglauben 5U beurteilen* 



— \5 — 

IIL 

Va^ 3efu5 (Eljriftus tro^ 6er ac^tse^n^unöert 3a^re, ötc 
uns üon i^m trennen, eine Stelle ^aben (ann un6 ^ot in 6em 
reltgiöfen teben 6es C^riften, 6af feine Perfon, nic^t nur feine 
Ce^re, andi ^eute nodi gefegt ift 5um 2tuferfte^en; bas üerfuc^te 
i^ ju jeigen« 2(ber noc^ ein öritter un6 le^ter Eingriff fte^t 
beoor: „3^^ mögt'', ruft man uns 5U, „pon ^\vis (E^riftus 
fagen was i^r n>oUt, un6 er mag 6as alles gemefen fein, tpas 
i^r fagt — aber i^r Ijabt öaffir feine Sic^erljeit; btrm 6ie ge- 
fitcitli4(e Kritif fyit fein SiI6 jum Ceil aufgelöft; 5um Ceil 
unftc^er gemacht, unö u>dre es auc^ nodj superläffiger als es ift — 
einjelne gefc^ic^tlic^e Catfac^en f5nnen niemals fo fid/er gemuft 
»eröen, 6af fie 6en religiöfen (ßlauben 5U begrünöen rermögen", 

Diefer Eingriff ift 6er fc^werfte, un6 u>enn er in allen Stücfen 
rec^t ijaben foUte, ftdnöe es fc^Iimm: „Die gefc^ic^tlic^e Kritif 
ijat fein SiI6 5um tCeil aufgelöft, 5um Ceil unfic^er gemacht"* 
So fc^eint es bei öem erften 2tnblicfe »irflic^, 3<^ f^^^ ^^^ 
jenen Crjeugniffen 6er Kritif ab, 6ie ^eute blühen un6 morgen 
in 6en (Dfen getoorfen u>er6en; ic^ re6e nur pon 6em, u>as immer 
n>ie6er un6 mit fteigen6er Kraft üorgetragen n>ir6. Blicten tPtr 
5uerft auf 6ie äuferen gefc^ic^tlid/en Catfac^en: erfc^üttert ift 6ie 
Überlieferung pon 6en 2tnfängen 6er Cebensgefc^ic^te 3^w^^^^fii 
erfc^üttert ift 6ie <ßlaubu>ür6igfeit fo mancher ©efdjic^ten, 6ie oon 
i^m ersd^It vozvben, un6 6ie alten fc^weren Zweifel, 6ie 6ie 
Beridjte über 6ie Porgdnge 6es ©ftermorgens enpecfen, fann 6ie 
Kritif nic^t befeitigen. XDas aber fein £ebensbiI6, 6ie He6en un6 
6ie Ce^re betrifft, fo fc^eint 6ie gefdjic^tlic^e Betrachtung fie oöllig 
um5ugeftalten. Der fc^Iic^te Bibellefer ift gen>o^nt, alle 5^9^/ 
6ie i^m ^ier entgegentreten, auf er* un6 fiberseitlid) 5U faffen. 
€r fie^t un6 empfin6et nur, was er für 6en eigentlidjen Kern 
6er £r}ä^Iung ^alt, 6er i^n felber angebt, un6 ^iernac^ ift auc^ 
einft pon 6er Kirche 6te c^riftlic^e £e^re feftgeftellt xooxbexu Tibet 
6ie gefc^ic^tlic^e Betrachtung 6arf un6 n>ill 6ie fonfreten ^fige 
nic^t überfe^en, in 6enen Ceben un6 Ce^re einft wxttlxdi getpefen 



— \6 — 

ftnö. Sie fuc^t nadf 6en ^ufammen^ngen mit 6er altteftament« 
liefen £nhx>icflun9^ mit 6em religiöfen ieb^n 6er Synagoge, mit 
6en 6amaltgen ^ufunftsertpartungeTt/ mit 6em gansen geiftigen 
^uftan6e 6er romtfc^^griedfifcffen ZPelt; un6 fte fin6et 6iefe ^u» 
fammen^änge ungefuc^t. Damit erfc^elnen 6ie Spräche un6 He6en 
6es ^erm, erfc^eint fein £ebensbiI6 felbft nic^t nur in einer gans 
bestimmten seitgefc^ic^tlic^en Färbung, fon6em auc^ in einer be- 
ftimmten Befc^ränfung. (£9 gehört in 6iefe ^eit un6 Umgebung 
^inetn; in feiner an6em fonnte es fte^en« 2tIIein es n>ür6e 6oc^ 
nur 6ann etn>as an feiner (ßultigfeit un6 Kraft üerlieren, n>enn 
fic^ nac^n>eifen liefe, 6af nun 6er Kern 6er (Erfc^einung un6 6er 
Sinn un6 6er eigentlid/e Creffpunft 6er He6en ein an6erer ge« 
u?or6en ift ^dj tann nic^t fin6en, 6af 6ie gefc^ic^tlic^e Kritif 
6aran irgen6 etwas geän6ert ijat Dasfelbe gilt pon feinem 
Selbftseugnis* ^a, u>enn 6ie gefd^ic^tlic^e ^orfc^ung nac^geu>iefen 
^dtte, 6af er ein apofalyptifdjer Sdjwärmer 06er ein Cräumer 
gewefen ift, 6effen XPort un6 3iI6 erft 6urc^ 6ie Sublimierungen 
6er ^olgeseit auf 6ie ^ö^e reiner 2tbfic^ten un6 erhabener (ße* 
6anfen gebracht u>or6en fei, 6ann ftän6e es an6ers. Jtber «Der 
iiat 6as nadjgemiefen un6 u>er fönnte es nac^meifen? 2tufer 
6en Pier gefc^riebenen (£pangelien befi^en u>ir nod) ein fünftes, 
ungefc^riebcnes, un6 es fpridjt in mancher ^infic^t 6eutlic^er un6 
ein6ruc!sPoIIer als 6ie Pier an6em — id) meine 6as (ßefamt* 
Seugnts 6er djriftlic^en llrgemein6e* 2tus i^m fönnen wit tttt' 
neljmen, was 6er 6urc^fcljlagen6e £in6rucf 6iefer Perfon geu>efen 
ift un6 in welcher Sichtung feine 3ünger fein IDort un6 Selbft« 
Seugnis perftan6en Ijaben» (ßewif — audj feine KIei6er fm6 
pererbt n>or6en; aber 6ie fc^Iidjten un6 grofen <ßrun6u>a^r^eiten, 
für 6ie er eingetreten ift, 6as perfonlic^e ®pfer, 6as er gebracht 
iiat, un6 6er Sieg im Co6e, fte fm6 6as neue Ceben feiner 
<ßemein6e geioor6en, un6 wznn 6er 2tpofteI Paulus Hdm* 8 
6iefes Ceben als ein Ceben im (Seift un6 Kor* 1(3 als ein Ceben 
in 6er Ciebe mit göttlidjer Kraft gefdjitöert ^at, fo gab er nur 
n?ie6er, was i^m an feinem ^erm 3efus (E^riftus aufgegangen 



— ^7 - 

xDor. 2ln öiefem Catbeftanöe permag feine gefc^ic^tltc^ Kritif 
etiDos )u ättöecn; fte {am xipi nur retner ans Cic^t ffeQen nn6 
unfere &ft^xdit wt btm ßöülxdfin, bas <m einem Solfne Tlbta» 
ifonis inmitten einer engen ZDelt tinö unter Schutt un6 tErfimmem 
aufgeftra^It x% ftetgerm Der fc^Iic^te Bibellefer foll nur fort« 
fai^ren^ 6te (Epangelien fo ju lefen^ n>te er fte bisher gelefen fyxt; 
betm andi ^^ Krititer permag fte fc^Iie^ic^ nic^t anders 5U lefen. 
XOas jener fär i^en eigentlic^n Kern un6 Creffpunit ^ält^ bas 
muf auc^ 6iefer als feieren anerfennen. 

2Q>er 6ie Catfac^n, frie tEatfac^enl ^ roeif ntc^t^ nne es 
eine grdf ere Colfac^ geben (ann als 6ie bisher befc^riebene* 
tPas u>iO irgend eine gef^c^tlic^e (Etnsel^eit neben i^r beöeuten? 
XPas fie be&eutet^ anttportet man, 6as liegt am Cage. Hur 6ie 
augere tEatfacfye^ un6 jtpar bie n>un6erbare^ gibt uns 6ie le^te 
un& allein fiebere Derbürgung^ 6af unferm Glauben eine XDirf« 
lic^leit entfpric^t ^# f^ne (Dbjelte nidjt blofe (ße6anfengebiI6e 
fmö^ fonöem 6af (ßott felbft 6te (ßefc^c^e leitet unö 5um ^iel 
fttl^ri ^di {enne 6as €»emic^t öiefer 3e^auf>tung tpo^l un6 bin 
tpeit entfernt, je6em gegeitäber i^ Hed^t ju beftreiten. Tidti, 6af 
2)u bit ^immel serriffeß un6 ^emieöer fu^reft; &af n^tr Vidi 
fdfouen fdnnen — ifk eine Klage, bie oft geflagt ift 2(ber 6as 
VHi% i^ auc^, 6af fte nidyt aus 6er tEiefe un6 Kraft 6es (ßlau« 
bens geboren iß, 6en 6er 2(pofteI Paulus befc^reibt, un6 6af fte 
lei<^ unter 6as XPort 6es ^errn fdüt: ^ZDerm i^r nic^t XPun6er 
un6 ^eid^en fel)t, fo glaubt i^ nicfyt''. Piel permag 6ie aufere 
2(utorität in 6er Heligion; piel permögen tPttn6er un6 ^eic^en; 
abtt 6er Glaube un6 6ie ^ömmigteit fonnen i^re le^te Sicher» 
lyeit nur 6ort ^aben, wo iljr 3n^alt liegt 3^r 3n^alt ip <ßott 
6er ^err, ift 6ie ^nvtt^dit auf 3efus (E^riftus, 6effen XPort un6 
ißeiß fic^ als 6ie Kraft Lottes 6em fersen noc^ ^eute beseugt« 
Weife uns, n>enn es an6ers tpore, ipenn unfer Glaube auf einer 
Summe pon £in5eltatfad)en beru^n n>ür6e, 6ie 6er ^ißorifer 
JU 6emon^eren un6 5U pcrft^m ^dtte* Hur ein Sop^ft aus 
unferer ^u^ft fönnte fid} anljeifc^g mad^en, 6iefe 2tufgabe sulöfen; 



- ^8 - 

6enn es ift fo: feine äufere (Einseltatfac^e 6er Vergangenheit 
tonn auf 6en (ßraö 6er £t)t6en5 gebracht n>er6en/ 6at man auf 
fte ^äufer^ gefd^meige 6ie ganse (£n)igfeit^ bauen formte. Was 
moUen alle ^eugniffe^ Urfun6en un6 X7erftc^erungen befagenl 
2(ber es ift ein Unterfc^te6 3n)ifc^en Catfac^e un6 tEatfac^e. Das 
einselne dufere ^oftum bleibt immer fontrooers; in 6iefem Sinne 
^at Cef fing DoUfommen rec^t^ u^emt er 6apor toamt^ „jufäüige 
<ßefc^ic^tsu>aljrljeiten" mit 6em XPic^tigften 5u perfnüpfen un6 an 
einen 5pinnefa6en 6as ganse (ßen)ic^t 6er £n>igfeit 5U Rängen* 
Jtber 6er geiftige 3nljalt eines gansen Cebens, einer Perfon, ift 
auc^ eine gefc^ic^tlic^e Catfac^e, un6 fie ^at i^re (ßen>tf ^eit an 
6er ZDirfung, 6ie fie ausübt Das, was uns an 3efus <£^riftus 
bin6et, liegt in 6tefem Halmen* (£s ift mtt 6er ^römmtgfett 
felbft perfnfipft, un6 t)on 6iefem 3n^alt gilt 6as befreien6e XPort, 
6as 6erfelbe Ceffing gefproc^en Ifati „IDenn man auc^ nic^t 
imftan6e fein follte, alle (Einwürfe gegen 6ie Bibel 5U ^eben, fo 
bliebe 6ennoc^ 6ie Äeligion in 6en fersen 6erjenigen (E^riften 
unoerrüdt un6 unoerfümmert, 6ie ein inneres ©efü^I oon 6en 
wefentlic^en XPaljr^eiten 6erfelben erlangt iiahen". 

2tber foüen nun 6ie Überlieferungen einselner äuferer tCat« 
fachen nichts be6euten? XPer u>oüle fo fursftc^tig 06er fo leicht« 
fertig fein, 6as 5U behaupten! XDeil fie nic^t i6as ^un6ament 
fein fönnen, ftn6 fie nodj lange nidjt be6eutungsIos, 3upor6erft 
ift ju unterfuc^en, ob fie nidjt 6oc^ u>a^r un6 wirHic^ geu>efen 
fin6* ZlTanc^es was einft fc^nell reru>orfen u?ur6e, liat fic^ bei ein« 
6ringen6er Unterfuc^ung un6 umfaffen6er (Erfahrung 6oc^ «>ie6er 
erprobt XPer 6ärfte ^eute 5. 3» mit 6en u?un6erbaren Kranfen« 
Teilungen in 6er eoangelifdjen (ßefc^idjte fo rafc^ fertig u>er6en, 
u)ie früljere (ßeleljrtel 

So6ann gilt pon allen (£r5äl;lungen; 6af fie uns 3ur Ce^re 
gef^rieben fin6, (£s ift 6as ein (ßefic^tspunft, 6er im Streit 
um fie oft ungebührlich surüdtritt, u>ä^ren6 er 6oc^ 6en 2tbftc^ten 
6er älteften (Ersd^Ier un6 6em ©ebrauc^ 6er alten Ce^rer cnU 
fpric^t €s ift 6as (Eigentümliche oon oielem, u>as fic^ in 6er 



- ^9 - 

Heligtonsäberlieferung als gefc^c^tßc^ gtbt^ 6af 6er geiftige 3n« 
ifcdt^ 6er 6arin angefc^aut n>tr6, 6te ^auptfad^ ift TXlan per« 
tet6t9t, ht6em man etwas als gefc^tc^tltc^e tEatfac^e i)ertel6t9t^ 
Dtelme^r 6en <ßlauben5ge6anf en, 6en man 6amit perbtn6et 3n un6 
6ur^ 6ie Perfän6i9ung ,, (Empfangen pom ^eiligen ßeift^ tpir6 
6te ©ottesfo^nfc^aft 3efu £^riftt perfün6tgt; in un6 mit öer 
Sotfc^aft feiner ^mmelfa^rt wirft perfünftigt, 6af er bei 6em 
t?ater lebt unft regiert 

Don ^ier aus ergibt ftc^ no^ eine anftere Befteutung ein« 
jelner auf erer Catfac^en für 6ie Äeligion, ftie mit fter eben ge- 
nannten na^e penpanftt ift Sie ftnft ftem (ßlauben 6as geioefen^ 
was fter Pfa^I ftem XDeinftoc! öfter n>as ftas fc^ü^enfte Vadi 
fter 5arten Pf[an5e ift Sie ^aben i^m ^alt unft Hid/tung gegeben 
öfter ^aben feine (£ntu>icHung por XDinft unft XDetter gefc^fl^t 
Unft was fte einft geleiftet ^aben^ ftas leiften fie ^eute noc^ pielen« 
Die Sc^mierigfeit befte^t nur ftarin, ftaf fter ©laube ftes einen 
eines feften Stabes öfter eines fc^ü^enften Daches beftarf, ipä^renft 
ftiefer Stab in fter Sfanb ftes anfteren serbric^t unft fein (ßlaube 
nur in fter ^rei^eit ftes Sonnenlichtes gefunft bleibt €nftlic^ 
aber, pieles unft ftas £rgreifenftfte, n>as uns in ftem Heuen Cefta* 
mente als ©efc^ic^te ersd^It ift, ift uns nidjt nur 5ur £e^re 
gefagt, fonftem es Ijat audi in fter gegebenen ^orm eine tiefe 
fymbolifc^e Sefteutung» 3c^ »eif fein ^auptftürf fter (£r5d^« 
lungen, pon ftem ftas nic^t gilt Derfelbe (ßeift, fter uns ftie 
Kraft unft ^errlic^feit eines göttlichen Cebens entfc^Ieiert por 
2tugen gefteüt iiat, fou>eit als u>tr lITenfcijen es faffen fönnen — 
er ifat fter IDaljr^eit auc^ aus fmnpoller Sage unft ^ersergreifenfter 
Poefie einen sarten Schleier geipoben unft fie in Bilftem unft 
Parabeln na^e gebracht 

Diefe mannigfache Sefteutung ersä^Iter Catfac^en offenbart 
ftc^ jeftem, fter fter (ßefdjic^te fter C^riftenljeit mit aufgefc^Iof« 
fenem Sinn unft befc^eiften nadjftenft» Sie ift freiließ nidjt oljne 
©efa^r; benn wie fie einerfeits Ieici)t ftaju perfüljrt, fter ©efc^ic^te 
ften eigenen ©eift unterjufc^ieben, Pfa^I unft Pflanse 5U penpec^feln 



— 20 — 

unö &amU Vrifen ^eraufsubefc^tpören^ fo tonn fte anöererfetts 
Me Kraft 6er ißefc^tc^te als tptrfiic^er (ßefc^te un5 6er perfon 
als nnrflic^er perfon lä^metu 3n6ef[ett 6ie Si^tPterigfeiteii; 6ie 
^r entfte^^ ^I>en tPtr ntc^t felbft gefc^affeit; un6 wk Der« 
m60en fte ntc^t eigenmdd/ttg aufju^eben« Pertrauen totr vxtU 
me^r 6er göttlichen Ceitnng^ 6te 6a meif^ was uns frommt; 
i>er{fin6t9en n>tr mit reinem Sinn un6 mit tPa^rl^aftigteit 6as^ 
was mit empfangen ^aben, un6 perfuc^en n>tr 6ann 6as tiefe 
XPort ju perfte^en: Krdfte un6 Krücfen fommen aus einer ^an6. 



3d) bin am (£n6e meiner 2tusfü^rungen. (E^riftentum un6 
©efc^i^te: nur 6en Sinn un6 (£mft 6er ^age wollte ic^ ans 
tidft ftellen un6 einige ©eftc^tspunfte 5U i^rer Beurteilung bieten* 
Sie Ijaben pieüeic^t etwas an6eres oon 6em Portrage ertoartet; 
Sie wollten pielleic^t pon 6en Perdn6erungen ^ören, 6ie 6as 
(C^riftentum im £aufe feiner ©efc^idjte erlebt, 06er oon 6en Seg« 
nungen, 6ie es verbreitet ^at 2tIIein 6ie (Erfenntnis 6er ©run6« 
frage, inwiefern Äeligion un6 ©efc^ic^te perfnüpft fin6 un6 wie 
fie flc^ in 6em epangelifc^en ©lauben perbun6en ^aben, ift widj* 
tiger als alles an6ere. Stefer epangelifdje ©laube braudjt eine 
emfte Prüfung ntdjt 5U fc^euem Die ftrenge met^o6ifc^e Unter« 
fuc^ung 6er Catfac^en, 6ie i^n gefc^ic^tlic^ begrfin6et I^aben, 
fann er ertragen, ja er mu# fie um feiner felbft willen for6em; 
6enn i^m ift ntc^t 6ie Pilatusfrage eingeftiftet: „XDas ift XPa^r* 
^eit", fon6em iljm ift 6ie (Erfenntnis 6er IDa^r^eit als 2tufgabe 
un6 als Per^if ung gefegt 



Xhud Don Cambert fhey in Ceif si^. 






m^^mmm 






V 




üdfttdcRt profefror D. ^boifr Die ltti$$iott «tt< HMSMeftllMg tt$ 

EbrifttitMIBS in ^en ctften btd ^af^t^nnbettm. fll. t^.^, geb- ITT. ^o.— 



3nbatt: ©nleimn^. — IK« UTifllonspceMgt tn tDort unb lai. — iHe Ultf flonaw, triotw» 
tn, ®tqtmm^im^tn ttniy CrfoIge öet Xnifjlon. — 'Die .Oecbreitnna btt dyrijittdjen Heliaion. 
3n ber Kenntnis ber (CneQen bes Utd^riftentums bfirf te prof . ^amtuf faum ron «tnem 



xnitlebenben ftbertroffen i»erben. Die fllan|enbe 2)a)rf|eUung »itb jeben, anA^ wdft tI)eo« 
logifdjen Cefer feffelti. ' . 

fidfttackt Prof, a ^iboif, Das (Um» <ei £hi\ttmnm. ^5_5o. cfb. 

mit neuer Votxtbt oerfc^eti. Wt» 2.—/ fart. ITt 2.50^ geb. Öt« 3.— 

über bie gro^e, burcli ^iefe t)«rlef ttft^en oeranla^te Citeratut 9ett>ii{rt eine treffliche Ubetfidbt ; 

9: Lic. €rn{i Roim, Ramack'l ttleieil tfei eilri$feAf«m$ unb bie reli$iöfen 
Sttömungcn ber (ßegenmari- . - ITt. *— 30 

JK«fta«, Prof. D. 3naus, Dal ehtttttnu^m ima AU Pkitoioybie. €in 

Portrag. 3. 2laflage. IH. — ^^0 

Kieftn, Dr. (5.; ehrilteamm «« HiltlirwilieillAafl« ^Ipologctifc^er Dortrag. 
2. ilufkge. ni. —.50 

CDOttky, Dr. ie^einrfd?, Cebes ««a OlaAffteU« 2., ganalid? umgearbeitete 
^luflage* ÖT. 3. — , geb. ITT. ^* — 

X)ie 3Q7ette 2tuflage it^ DÖUi^ nett bearbeitet unb bard}. ^rlegnng bes Stoffes in 3ai)U 
retd;e Unterabfd^nitte geeignet getoorben, au6i in toeitereh Kretfen leidet oerfianben 311 SDerben. 



Briefe. iÄ: 



Dm ttmu Bi(b »ort Prof. Dr, €«rl Rillf s 

l 

Hl. 3.-^; in teinen geb. IR. 4.—, tUhi^aheiAb. HI. 5.5o 



<Sen>i§ ip ber Derfaffer bes ®ia«f fd?on unter bie ^infht§reid^en feaicijer unferer §«** 
3U söljlen; in ber Knnj^ ber <Er3iel7nn9 tjoter nnn, non (Sl&d*ifijeitn vMfaAi bamm 
angegangen^ feine ^nfd^auung in 25 Briefen 3u)ammengefa^t, sumeifl je einen .befonberen 
igebanten in jebem Briefe ausffli?renb. Die ^reunbfd?aft bejcidjnet prof. ^ilty als „ein 

?ro^s Problem ber (Segenxoart, burd? bas namentUd; aUetn aud; bie SreUung ber^rau be» 
nebigenber gemad^t tverben fann". Do^tte/ber nad; bet Bii^el atti ^äuffgfien in bm 
froheren Bftt^crn zitiert roirb, ifl bin meinen Deutfd^en wod? feljr fremb nnb benen, bie i^n 
fennen lernen tDOtlen, burd; ermäbenbe (Skletirfamfeit nid^t nur nid^t nöber gebrad^t, fonbetn 
oft fogar minbermertig gemad^t. Wie fommt bas Heid) (Sott es? i^ genau genommen 
bie 5rage, n)eld;e ben meinen bei; je^t fo 3af)Ireid}en reUgtofen Peronfialtungen b«r oer* 
f^icbenflen Hrt iü (Brunbe liegt. 

Die „Briefe" jlnb frei pon jebem ge{el{Tten Beimeif nnb fomit äud; of^ne jete Uti" 
merfungen, für jebermann leidjt fa|Itc^ unb oerfidnbKc^. 

Pon prof. Dr. .0arl BlltV fntb femer erfc^ienen: 

?äf $Cl)laf l0$C DäCfttC» (Sebmat U^ 20. (Caufenb. Cafc^enformat. 
in. 3.-—, in itimn geb. IH. ^.—, in fceber mit <5oIbf<^nitt Ht, 5.50 

filÜdC« Drei teile, ^eber (Ceti einzeln fäitflid^ mit felbftdnbigem Jnljolt. 
I. gebrucft bis; jum fO, Caufenb; IL bis 5um 35*j fli. his 5um 25. t a;Tif enb. 
3c in. 3.—, geb. HI. ^.— , £iebljaberbanb JJl. 5.50 

Seit 3atjr3el}nten Ijat in beutfdjer Spradje fein ul^nlidyes IDerf annat^ernb 

gleid}«^ Verbreitung gefunben. 

CCICII IHIA Reden« S»et Dortr&ge: ,,äber bas £efen" nnb 
„0ffene (ßeljeimniffe ber Hebefunft^ ((Sebrucftbis U-Caufenb.) 
preis HI. ^.'^o^ in feinen geb. Ht. 240 



tamhert preip, Ceif jig, SalomonfJr. tO. 



BH I21.H28 



3 6106 (Ml 2??™l 



Stanfon] University Libraries 
Stanford, California 



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